Hygiene mit Kindern

Hygiene-Special für Kinder

Um Kindern eine besondere Hygiene, wie jetzt zur akuten Corona-Zeit, beizubringen ist etwas Fingerspitzengefühl gefragt.

Man kann (insbesondere kleinere) Kinder aber nicht einfach irgendwann wieder in die Kita oder Schule losschicken und ihnen dann beim Rausgehen zurufen: "Ach und immer gut Hände waschen und fass dir nicht so oft in dein Gesicht." Das wird nicht funktionieren. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, eine neue Angewohnheit (wie bspw. gründliches Händewaschen) will erst einmal einstudiert und somit automatisiert werden. Erst dann, wenn unser Unterbewusstsein das neue und gründlichere Händewaschen übernommen hat, können wir es auch bei jedem Händewaschen wirklich konsequent und regelmäßig anwenden, ohne dass es erhöhte Konzentration oder Energie von uns fordert.

Studiert also ein schönes Händewasch-Lied für Kinder ein, zum Beispiel dieses hier (Text @annafrost). Hängt dazu den Text (Bilder, wenn euer Kind noch nicht lesen kann) über das Waschbecken, bis alle den Text gut kennen. Auch Kindergärten und Schulen sollten das Händewaschen mit den Kindern üben und Hygiene zum Thema machen.

Liedtext:

Hände waschen, Hände waschen muss ein jedes Kind.
Hände waschen, Hände waschen bis sie sauber sind.

Von oben und unten.
Linke Hand und rechte Hand.

Auch die lieben Daumen,
wollen wir einschäumen.

 

Auch die Fingerspitzen, bis sie richtig blitzen.
Auch die andere Hand, ganz bis an den Rand.

Den Igel nicht vergessen,
denn er will gleich essen.

Jetzt die Finger waschen,
erst dann vom Essen naschen.

So könnt ihr Vorgehen

1. Spielt mit euren kleineren Kindern die Corona-Situation nach (siehe Rubrik Stressbewältigung), für etwas größere Kinder (Vor- oder Grundschule) finde ich auch dieses Video ganz passend, welches ihr euch am besten vorher einmal alleine anseht.

2. Seht euch die Folge: Sendung mit der Maus "Händewaschen" mit eurem Kind an. Hier wird sehr gut erklärt, wie das so ist mit dem Dreck an den Händen, den man nicht sieht und warum Dreck eigentlich keine Seife mag (oder eben besonders gerne ;-)

2. Macht den Kakao-Test mit euren Kindern

Dein Kind darf seine Hände mit etwas Creme eincremen. Dann gebt ihr etwas Kakao-Pulver drauf und verteilt es (bitte der Umwelt zuliebe kein Glitzer), der Kakao steht für die Viren oder Bakterien. Jetzt kann euer Kind euch die Hand geben, oder sich an der Nase kratzen. Danach kann es versuchen die Hände nur mit einem Waschlappen oder nur mit Wasser ohne Seife sauber zu bekommen. Was nicht gut klappt. Anschließend wird gründlich mit Seife gewaschen. Und wie sieht das Waschbecken aus?

3. Übt das Händewaschlied bis es bei jedem von euch ganz automatisch beim Händewaschen gesungen wird. Also damit meine ich nicht, ihr sollt jetzt 10x hintereinander die Händewaschen, sondern ihr geht einfach die nächsten 10x mit, wenn euer Kind ohnehin Hände wäscht. Und denkt bitte daran nach jedem Händewaschen eine Handcreme zu nutzen (idealerweise eine ohne Parfüm und die schnell einzieht). Denn die Kinderhände sind sehr empfindlich und die natürliche Schutzschicht der Haut schnell angegriffen. Wenn die Haut kaputt ist, ist dies ebenfalls nicht gut gegen Viren.

4. Ihr solltet auch üben, in die Ellenbeuge zu niesen/husten, wenn man denn gerade niest oder hustet.

5. Mit größeren Kindern kann man auch schon ein wenig üben, sich nicht ständig ins Gesicht zu fassen. Mit einem Kleinkind von zwei oder drei Jahren brauche ich dies nicht zu üben. In der frühen Kindesentwicklung ist es sogar wichtig, dass Kinder Dinge mit dem "Mund" begreifen und befühlen. Ab Vorschule könntet ihr es bspw. wie folgt üben. Ihr bastelt euch eine Sonne aus einem Pappteller. Jeder in der Familie bekommt einen (auch Mama und Papa), die Sonne bekommt 10 Sonnenstrahlen in Form von Wäscheklammern. Immer wenn sich einer in das Gesicht fasst, nimmt man eine Klammer ab. Wer abends noch die meisten Klammern (oder überhaupt eine) hat, darf sich ein Lied aussuchen und alle tanzen dazu. Spielerisch, als Challenge und nicht mit Gemecker. Seht also zu, dass nicht nur ihr euch Lieder aussuchen dürft, sondern die Kids auch mal dran sind. Und dann richtig abrocken, sodass am Ende alle lachend unterm Tisch liegen.

6. Abstand halten ist natürlich auch wichtig, aus Beobachtung muss ich sagen, dass das den kleinen Kindern am schwersten fällt. Natürlich kann man mit kleinen Kindern darüber reden und auch mal mit einem Maßband ausprobieren wie viel 1,5 Meter sind. Und wenn man einen Spaziergang macht und Fremde trifft kann man dies ggf. sogar üben. In dem man sagt: "Weißt du noch ungefähr wie der Abstand sein sollte?" Schwierig ist es dabei auch, dass andere Erwachsene oft gar nicht ausweichen. Einige nehmen auch den Abstand einer Pferde Länge, damit Kinder sich das besser vorstellen können. Aber unter Freunden und mit Oma und Opa ist das für Kinder einfach super schwierig. Selbst falls sie es für eine gewisse Zeit schaffen sollten, was eine Menge Energie und Aufwand für die Kinder bedeutet, vergessen sie es doch irgendwann. Für uns ist das so, als ob wir uns kurz vorher eine 8 stellig Zahl merken sollten, die wir während des gesamten Treffens mit der besten Freundin nicht vergessen dürfen. Meine persönliche Meinung ist daher, dass man eher darauf achten sollte, dass man nur eine andere Familie trifft (sofern das Treffen wieder erlaubt ist) und sich die Kinder dabei normal bewegen dürfen, oder dass Unterricht in Kleingruppen á 5 Kindern stattfindet und  diese Klein-Gruppen nicht gemischt werden und sich möglichst nicht begegnen.

Und sonst noch?

- Wechselt die Handtücher regelmäßig und wascht diese heiß

- Achtet auf kurze Fingernägel und nutzt ggf. eine Fingernagelbürste

- Gut Hände abtrocknen, mit einem weichen Handtuch

Aber dann? Ja, dann ist auch mal gut

Kinder und die Angst vor Corona

Jedes Kind reagiert anders auf Ängste und je nach dem an welche Eltern, Lehrer oder andre Bezugspersonen das Kind gerät bekommt es ggf. die Angst vor Corona der Erwachsenen übertragen. Daher ist es wichtig, dem Kind nicht unnötig Angst zu machen. Insbesondere bei kleineren Kindern (Kita und Grundschule) sollten wir bewusst darauf achten, dass die Kinder aus dieser Zeit kein Trauma für ihr Leben mitnehmen. So groß eure (berechtigte) Angst vor Corona auch sein mag. Übertragt diese nicht auf eure Kinder. Versucht daher nicht mit euren Kindern zu schimpfen, wenn sie aus eurer Sicht einen Fehler machen (Händewaschen mal vergessen, oder sich in das Gesicht fassen). Es sind immer noch Kinder und sie bemühen sich nach Kräften, es uns Erwachsenen recht zu machen. Wie schlimm muss es für ein Kind sein, wenn es Angst hat Mama, Papa oder Oma und Opa anzustecken und vielleicht für deren schwere Krankheit oder gar den Tod verantwortlich sein zu können. Lasst nicht zu, dass euer Kind in diese Lage kommt. Diese schwere Last, bzw. diese übermächtige Angst sollte kein Kind in sich tragen müssen.